Le Diplôme National du Brevet
Die Schulbildung ist wie so vieles – um nicht zu sagen alles – hier in Frankreich zentralisiert. So s(chw)itzen ca. 800.000 französische Schulkinder alle zur gleichen Zeit vor ihrer Mathematikprüfung, noch während ich diese Zeilen hier schreibe. Das ist der zweite Teil der Prüfung für das DNB „Diplôme national du brevet“, kurz „Brevet“ genannt. Diese Prüfung besteht aus drei Teilen: gestern früh fing es an mit Französisch und dann Geschichte/Erdkunde/Sozialkunde am Nachmittag.

Die Schule beginnt in Frankreich bereits im Alter von zwei Jahren, mit spätestens drei Jahren ist man hier eingeschult. Hauptkriterium dabei ist, dass das Kind „sauber“ sein muss. Da gehen die Kleinen tapfer in die „Ecole maternelle“, in die Vorschule. Die erste Klasse der Grundschule „Ecole primaire“ sie heisst hier CP (cours préparatoire) beginnt dann mit sechs Jahren. Das heisst, man muss zum Jahresende seinen sechsten Geburtstag feiern, und nicht wie in Deutschland zum 1. Juli. Die Grundschule dauert dann insgesamt fünf Jahre.
Danach geht es weiter im Collège. Das Prinzip ist weiterhin, dass alle Kinder die gleiche Schulbildung erhalten sollen. Das Collège wählt man auch nicht aus, die Schüler werden den einzelnen Schulen nach geographischen Kriterien zugeordnet. Das will der neue Präsident in Zukunft ändern, er verspricht „d’alléger la carte scolaire“. Man soll seine Schule frei wählen können. Bisher gab es nur die Möglichkeit, auf eine kostenpflichtige Privatschule zu gehen, wenn man mit seinem Collège oder seiner Grundschule nicht zufrieden war. Anträge, auf eine Schule seiner Wahl gehen zu können, wurden nicht immer akzeptiert.
Also, es wird nicht wie in Deutschland bereits im Alter von 10 Jahren ausgesiebt: du gehst aufs Gymnasium und du bleibst auf der Hauptschule. Hier gehen alle in die „Sixième – 6e“ aufs Collège.
Da fängt es dann auch an mit dem Fremdsprachen Unterricht. So kleine spielerische Anfänge eines Fremdsprachen Unterrichts gibt es bereits ab der Vorschule. Am Ende des Collège, also nach der 9. Klasse schreiben dann alle Schüler diese Prüfung zum DNB, die heute abläuft.

und so sieht es aus dieses „DNB“
Das ist die erste grosse Prüfung, die alle Schüler hier ablegen. Da kann man sich vorstellen, wie gross die Aufregung da ist. Auch wenn das Niveau jetzt nicht sehr hoch ist, immerhin bestehen ca. 80 Prozent aller Schüler diese Prüfung. So wie andere grosse Ereignisse im Schuljahr, ist das ein beliebtes Thema in den Medien. In jeder Tageszeitung ist heute ein Bericht über das DNB. Da werden die Themen besprochen, die dieses Jahr abgefragt wurden, Schüler werden über ihre Eindrücke interviewt, Erwachsene kramen in ihren Erinnerungen.
Und wenn man es dann in der Tasche hat, kann man stolz sein, auch wenn es doch „nur“ der Brevet ist. Zu den Noten des Brevet zählen auch die Schulnoten, die man in der neunten Klasse (in der „troisième“) in 11 verschiedenen Fächern erhalten hat: Kunst, Musik, Sport, Französisch, Englisch, Spanisch (oder Deutsch je nachdem), Mathematik, Physik, Biologie, Technologie, und seit neuestem gibt es eine Note für das Verhalten in der Schule, bei den schulischen Aktivitäten innerhalb und ausserhalb des Unterrichts. Zusätzliche Punkte bringen auch Wahlfächer wie Latein. Das ganze wird berechnet nach einem Punktesystem. Gute Schüler haben bereits vor der eigentlichen Prüfung durch die Noten, die sie im Laufe des Jahres erarbeitet haben, genug Punkte, um das Diplom zu ergattern. Theoretisch bräuchten sie bei der Prüfung gar nicht mehr anzutreten. Aber, wie es die Lateinlehrerin meiner Tochter so schön formulierte: „c’est une question d’amour propre“!
Früher kam dieser Prüfung wohl noch viel mehr Bedeutung zu, da verliessen viele Schüler nach dem Collège das Schulsystem, und es war oft das einzige Diplom das man im Laufe seines Lebens machte.
Heute gehen die meisten Schüler danach aufs Gymnasium „Lycée“. Entweder auf ein allgemeinbildendes, was man dann wohl mit der Oberstufe eines Gymnasiums in Deutschland vergleichen kann, oder auf ein „profesionelles“ Lycée, das dann bereits mehr berufsorientiert ist. Nach weiteren drei Jahren, also nach der zwölften Klasse schreibt man das Abitur. Aber das ist wieder ein anderes Thema.


