Verfasst von: belle36etoile | 26. Juni 07

Der Ernst des Lebens

Le Diplôme National du Brevet

Die Schulbildung ist wie so vieles – um nicht zu sagen alles – hier in Frankreich zentralisiert. So  s(chw)itzen ca. 800.000 französische Schulkinder alle zur gleichen Zeit vor ihrer Mathematikprüfung, noch während ich diese Zeilen hier schreibe.  Das ist der zweite Teil der Prüfung für das DNB “Diplôme national du brevet”, kurz “Brevet” genannt.  Diese Prüfung besteht aus drei Teilen: gestern früh fing es an mit Französisch und dann Geschichte/Erdkunde/Sozialkunde am Nachmittag.

           

Die Schule beginnt in Frankreich bereits im Alter von zwei Jahren, mit spätestens drei Jahren ist man hier eingeschult. Hauptkriterium dabei ist, dass das Kind “sauber” sein muss. Da gehen die Kleinen tapfer in die “Ecole maternelle”, in die Vorschule. Die erste Klasse der Grundschule “Ecole primaire” sie heisst hier CP (cours préparatoire) beginnt dann mit sechs Jahren. Das heisst, man muss zum Jahresende seinen sechsten Geburtstag feiern, und nicht wie in Deutschland zum 1. Juli. Die Grundschule dauert dann insgesamt fünf Jahre.

Danach geht es weiter im Collège. Das Prinzip ist weiterhin, dass alle Kinder die gleiche Schulbildung erhalten sollen. Das Collège wählt man auch nicht aus, die Schüler werden den einzelnen Schulen nach geographischen Kriterien zugeordnet. Das will der neue Präsident in Zukunft ändern, er verspricht “d’alléger la carte scolaire”. Man soll seine Schule frei wählen können. Bisher gab es nur die Möglichkeit, auf eine kostenpflichtige Privatschule zu gehen, wenn man mit seinem Collège oder seiner Grundschule nicht zufrieden war. Anträge, auf eine Schule seiner Wahl gehen zu können, wurden nicht immer akzeptiert.

Also, es wird nicht wie in Deutschland bereits im Alter von 10 Jahren ausgesiebt: du gehst aufs Gymnasium und du bleibst auf der Hauptschule. Hier gehen alle in die “Sixième – 6e” aufs Collège.

Da fängt es dann auch an mit dem Fremdsprachen Unterricht. So kleine spielerische Anfänge eines Fremdsprachen Unterrichts gibt es bereits ab der Vorschule. Am Ende des Collège, also nach der 9. Klasse schreiben dann alle Schüler diese Prüfung zum DNB, die heute abläuft.

und so sieht es aus dieses “DNB”

Das ist die erste grosse Prüfung, die alle Schüler hier ablegen. Da kann man sich vorstellen, wie gross die Aufregung da ist. Auch wenn das Niveau jetzt nicht sehr hoch ist, immerhin bestehen ca. 80 Prozent aller Schüler diese Prüfung. So wie andere grosse Ereignisse im Schuljahr, ist das ein beliebtes Thema in den Medien. In jeder Tageszeitung ist heute ein Bericht über das DNB. Da werden die Themen besprochen, die dieses Jahr abgefragt wurden, Schüler werden über ihre Eindrücke interviewt, Erwachsene kramen in ihren Erinnerungen.

Und wenn man es dann in der Tasche hat, kann man stolz sein, auch wenn es doch “nur” der Brevet ist. Zu den Noten des Brevet zählen auch die Schulnoten, die man in der neunten Klasse (in der “troisième”) in 11 verschiedenen Fächern erhalten hat: Kunst, Musik, Sport, Französisch, Englisch, Spanisch (oder Deutsch je nachdem), Mathematik, Physik, Biologie, Technologie, und seit neuestem gibt es eine Note für das Verhalten in der Schule, bei den schulischen Aktivitäten innerhalb und ausserhalb des Unterrichts. Zusätzliche Punkte bringen auch Wahlfächer wie Latein. Das ganze wird berechnet nach einem Punktesystem. Gute Schüler haben bereits vor der eigentlichen Prüfung durch die Noten, die sie im Laufe des Jahres erarbeitet haben, genug Punkte, um das Diplom zu ergattern. Theoretisch bräuchten sie bei der Prüfung gar nicht mehr anzutreten. Aber, wie es die Lateinlehrerin meiner Tochter so schön formulierte: “c’est une question d’amour propre”!

Früher kam dieser Prüfung wohl noch viel mehr Bedeutung zu, da verliessen viele Schüler nach dem Collège das Schulsystem, und es war oft das einzige Diplom das man im Laufe seines Lebens machte.

Heute gehen die meisten Schüler danach aufs Gymnasium “Lycée”. Entweder auf ein allgemeinbildendes, was man dann wohl mit der Oberstufe eines Gymnasiums in Deutschland vergleichen kann, oder auf ein “profesionelles” Lycée, das dann bereits mehr berufsorientiert ist. Nach weiteren drei Jahren, also nach der zwölften Klasse schreibt man das Abitur. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Verfasst von: belle36etoile | 31. Mai 07

Franzosen auf Reisen

Expedia ist das weltgrösste Online Portal für Reisen und die wollten es genau wissen: Wer sind denn die beliebtesten Touristen?

Dazu gaben sie eine repräsentative Umfrage in Auftrag, durchgeführt von einem seriösen Institut. So wurden 15.000 Hoteliers in Europa über das Verhalten von Touristen aus aller Herren Länder befragt. Das Ergebnis ging vor ein paar Tagen durch die Presse, und der Schreck sitzt noch tief bei den Franzosen:

Sie belegen in der Beliebtheitsskala die letzte Stelle der Tabelle. Dieses miserable Abschneiden haben sie vor allem der Tatsache zu verdanken, dass sie sich strikt weigern, die Sprache des Gastlandes zu sprechen und lokale Spezialitäten zu probieren. Dafür gelten sie gleich nach den Italienern als gut gekleidet. Immerhin etwas!

coolsocks

*Foto heimlich kopiert auf dem Super-Blog von Dr. Fish

Genetisch bedingte Geschmacksverwirrung

Aber die Deutschen können sich auch nicht die Hände reiben, selbst wenn sie im internationalen Vergleich einen guten fünften Platz errungen haben. Sie gelten als besonders unhöflich, sind Spitzenreiter was das Knausern angeht und die weissen Socken in den Badelatschen kommen im Ausland auch nicht so toll an.

 Wer gerne weitere Details der Umfrage wissen will, kann hier –> den ausführlichen Artikel lesen.

Verfasst von: belle36etoile | 29. Mai 07

Tag der Solidarität

Es war einmal eine grosse Hitzewelle im August 2003: “La canicule”. Sie machte vor allem deshalb Schlagzeilen, weil so viele alte vernachlässigte Menschen in Frankreich starben; niemand war da um sich um sie zu kümmern. Dabei hätte es doch genügt, dass jemand sie dazu anhält, genug Wasser zu trinken, oder dass man die Seniorenheime mit Klimaanlagen auf erträgliche Temperaturen abkühlt. Unsere Ämter und Büros, Autos und Supermärkte sind ja auch alle angenehm kühl, wenn das Thermometer wochenlang Tag und Nacht nicht mehr unter 30 Grad sinken will. Nur bei den Senioren, da wird gespart.

Abkühlung

Wo bekommt man jetzt auf einmal genug Geld her, um diesem Missstand Abhilfe zu schaffen? Das Rezept ist ganz einfach, eine “Nationale Solidaritätskasse für Autonomie” (Caisse nationale de solidarité pour l’autonomie, CNSA) wird eingerichtet, und das Geld aus dieser Kasse geht an Senioren und Behinderte. Und wie füllt man so eine Kasse auf? Wieder ganz einfach: man schafft kurzerhand einen Feiertag ab. Wie wär’s denn mit dem Pfingstmontag?

So, laut Gesetz ist jetzt der Pfingstmontag kein Feiertag mehr. Jeder gute Franzose sollte da arbeiten gehen, und die gesamten Löhne dieses zusätzlich gearbeiteten Tages gehen direkt in die nagelneue Caisse de Solidarité. Warum sollte das denn nicht klappen? Bei den europäischen Nachbarn in Deutschland hat es doch auch geklappt, als der Buss- und Bettag gestrichen wurde, zur Finanzierung der Pflegeversicherung.

Da haben die Gesetzesmacher aber nicht mit der Hartnäckigkeit der Franzosen gerechnet. Ein Franzose geht an einem Feiertag noch lange nicht arbeiten, nur weil das jetzt auf einmal gar kein Feiertag mehr sein soll. Am Pfingstmontag, da ist doch seit jeher die Féria in Nîmes, und die Pfingstprozession in Chartres, dieses Fest hier und ein anderes dort.

Und warum sollten die armen Schüler denn die Schulbank drücken? Sie haben doch sowieso fast keine Schulferien – ganz nebenbei bemerkt, Frankreich hält den internationalen Rekord, was die Anzahl der freien Tage im Jahr betrifft, dafür haben die geplagten französischen Schüler die längsten Schultage. Unterricht von früh um 8 bis 18 Uhr mit einer Stunde Mittagspause gehören zur Normalität. Zurück zum eigentlichen Thema: die Schüler bekommen doch überhaupt keinen Lohn, den sie dann in die Solidaritätskasse überweisen könnten. Also sollen sie zu Hause bleiben. Die Lehrer dagegen können doch auch ohne die Schüler in die Schule gehen, für pädagogische Sitzungen. Komisch, dabei hatte ich noch nie den Eindruck, dass die Lehrer hier eine Ahnung von Pädagogik hätten. Und meine Nachbarn, beide Lehrer, sah ich gestern nicht ihr Haus verlassen, um irgendwelchen beruflichen Verpflichtungen in der Schule nachzukommen. Vielleicht benutzen sie ja irgendeine Hintertür um sich geschützt vor meinen neugierigen Blicken heimlich in die Schule zu schleichen?

So herrschte am 28. Mai 2007 nun schon zum dritten Mal am Pfingstmontag grosse Konfusion in Frankreich – wer arbeitet denn nun, und wer bleibt zu Hause? Manche Ämter sind geöffnet, andere geschlossen. In manchen Fabriken wurde geschafft, aber die Mitarbeiter der Versandabteilung konnten zu Hause bleiben, weil die Transportunternehmen nicht arbeiteten. Wie soll man denn auch korrekt arbeiten, wenn ein Kunde Waren zum Versand bringt, und an der Lieferadresse niemand anzutreffen ist, weil die Firma geschlossen ist.

Ich wurde allerdings gleich früh brutal daran erinnert, dass der Pfingstmontag eben doch kein Feiertag ist, weil ein gnadenloser Wecker mich aus meinen süssen Träumen riss und mein Mann sich mühsam zur Arbeit schleppte. Das behauptete er jedenfalls. Aber langsam frage ich mich, ob ausgerechnet mein lieber Gatte der einzige Franzose gewesen sein soll, der an diesem Tag arbeiten musste.

Da hab ich mir gedacht, wenn kein Feiertag ist, kann ich ja einkaufen gehen. Aber als ich los zog, um einen Supermarkt zu finden, stand ich bei den ersten beiden erstaunt vor verschlossenen Türen. Dabei ist den Supermärkten hier in Frankreich kein Sonn- und kein Feiertag heilig. Die bleiben nur an zwei Tagen im Jahr geschlossen: am 25. Dezember und am 1. Mai. Der dritte angepeilte Verbrauchertempel war zwar geöffnet, allerdings kam ich mir vor wie in der DDR vor der Wende, die Regale waren leer gefegt. Kein Wunder, die Leute waren ja alle zu Hause und hatten Zeit zum Einkaufen. Anscheinend gab es nicht genügend Personal, um die Regale wieder aufzufüllen.

Aber am allerschlausten sind doch noch die von der Bahn. Bei der SNCF – und das ist kein Witz – wurde eine ganz elegante Lösung des Problems gefunden. Anstatt einen Tag pro Jahr mehr zu arbeiten, was man den Mitarbeitern bei der Bahn scheinbar nicht zumuten kann, wird an jeden Arbeitstag eine Minute und 52 Sekunden angehängt. So kommt man unter dem Strich dann auch auf einen ganzen Tag in einem Kalenderjahr!

Vive la solidarité!

Verfasst von: belle36etoile | 26. Mai 07

Baguette und Eiffelturm

So, so, fällt niemandem etwas zu Frankreich ein. Da muss ich Euch wohl auf die Sprünge helfen …

 Der Eiffelturm    Baguette

Übrigens: der Eiffelturm ist 324 Meter hoch, falls das jemandem entfallen sein sollte!

Gut, sensationell ist es bisher nicht, aber es sind ja auch erst meine ersten Schritte.

Verfasst von: belle36etoile | 25. Mai 07

Mitten in Frankreich

Mitten in Frankreich – da wohne ich jetzt schon seit fast zwanzig Jahren und da hatte ich die Idee, auf Französich zu bloggen, um den Franzosen über meine Heimat zu berichten. Das Ergebnis könnt Ihr hier sehen: Germany; aber ich nehme mir nicht genug Zeit, um neue Artikel zu verfassen, denn es macht mir nicht immer Spass auf Französisch zu schreiben und darum versuche ich mich jetzt an einem deutschen Blog. Vielleicht finde ich ja den einen oder anderen geduldigen Leser, der sich dafür interessiert, was ich so über Frankreich und die Franzosen zu  berichten habe. Im Moment finde ich hier bei WordPress alles ziemlich kompliziert, aber das ist bestimmt Gewohnheitssache.

Typisch französisch! Was fällt Euch denn da so spontan ein? …

Kategorien

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.